Vogelspinnen

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Wildfangproblematik
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Terrariensicherung
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Vogelspinnen in Zooläden
Die wissenschaftlichen Namen
Einrichtung wiederverwenden?
Stammtische

Fortpflanzung/Zucht

Das Hobby Vogelspinnen kann nur auf 2 Arten aufrecht erhalten werden.

Durch Wildfänge oder Nachzuchten!
Natürlich ist die Nachzucht die sinnvollere Lösung.
Hier möchte ich die Fortpflanzung bei Vogelspinnen etwas genauer erläutern.

Vorbereitung:
Hat man die Absicht zu züchten, benötigt man ein adultes Pärchen der gleichen Art.
Das Weibchen sollte relativ frisch gehäutet sein und gut angefüttert werden, um das Risiko zu mindern, dass das Weibchen das Männchen vor oder nach der Verpaarung frisst.
Das Männchen muss ein sogenanntes Spermanetz gebaut und somit die Bulben mit Sperma gefüllt haben.
Zur Geschlechtsbestimmung der Spinne gibt es hier Informationen.
Sind nun beide Tiere bereit für eine Verpaarung, bietet es sich an das Terrarium in ein übersichtliches Zimmer ohne viele Versteckmöglichkeiten zu stellen. Dazu später mehr.

Die Verpaarung:
Für die eigentliche Paarung bietet es sich an das Terrarium des Weibchen zu nutzen.
Dieses wird dafür geöffnet und das Männchen aus seinem Behältnis vorsichtig hinein bugsiert.
Kommt nun das männliche Tier mit den Spinnfäden des Weibchens, welche mit Pheromonen versetzt sind, in Berührung wird es relativ schnell zu werben beginnen.
Dieses wird, insofern das Weibchen paarungsbereit ist, von diesem erwidert.
Je nach Art kann dieses Werben sich als heftiges Trommeln mit den Vorderbeinen und den Tastern oder nur als kaum merkliches Zittern äußern. Oftmals kommt das Weibchen dem Männchen bereitwillig aus ihrem Versteck entgegen. Nun hakt sich das Männchen mit den Tibiapophysen (insofern vorhanden) in den Chelizeren des weiblichen Tieres ein und versucht dieses hochzustemmen. Ziel ist es, an die Geschlechtsöffnung an der Unterseite des Hinterleibs zu kommen, um dort die an den Tastern sitzenden Bulben einzuführen und das Sperma in die Spermathek des Weibchens abzugeben.
Dieser eigentliche Akt kann zwischen wenigen Sekunden bis zu mehreren Stunden andauern.


Verpaarung Avicularia versicolor    


Verpaarung Theraphosa blondi


Größenunterschied bei Pterinochilus lugardi Verpaarung


Geschlechtsdimorphismus bei Lasiodora parahybana


Verpaarung Pterinochilus chordatus

Nach der Verpaarung:

Trennen sich nach erfolgter Paarung die Tiere, ist es wichtig, dass das Männchen sich schnell und sicher aus dem Einflussbereich des Weibchens zurückziehen kann.
Hierzu lasse ich das Terrarium während der Verpaarung einfach offen.
Es ist wesentlich einfacher das flüchtende Männchen auf einer glatten Fläche, wie in diesem Fall die Badfliesen, einzufangen, als es direkt aus dem Terrarium zu holen.
Eine männliche Vogelspinne kann mehrere Weibchen erfolgreich befruchten und ist zu wertvoll für die Zucht, als dass man das Risiko eines Gefressenwerdens eingehen sollte.
Es kommt allerdings trotz aller Vorsichtsmaßnahmen manchmal dazu, dass das Weibchen vor oder nach der Verpaarung das Männchen zu packen bekommt und tötet. Dies ist allerdings eher die Ausnahme als die Regel. In seltenen Fällen kann es auch umgekehrt dazu kommen, dass das Männchen das Weibchen auffrisst, wie bei der Pterinochilus murinus eines Bekannten geschehen. Aus diesen Gründen sollte man bei einer Verpaarung stets aufmerksam sein und im Fall der Fälle das Ableben eines der Tiere zu verhindern versuchen.

Vor dem Kokonbau:
Nach erfolgter Verpaarung sollte das Weibchen nochmals überdurchschnittlich gefüttert werden, um die Produktion von Eiern anzuregen da der Kokonbau in freier Natur im Normalfall kurz vor oder während einer Jahreszeit mit reichlichem Nahrungsangebot erfolgt. Des weiteren ist es bei einigen Arten notwendig eine Regenzeit/Trockenphase oder einen Winter zu simulieren. Informationen hierzu erhält man in dem man sich die Klimadiagramme des jeweiligen Herkunftsgebietes ansieht. Auch ist in dieser Phase möglichst auf eine Störung des Tieres zu verzichten. Bis zum Kokonbau kann es zwischen wenigen Tagen bis zu mehreren Monaten dauern.

Der Kokonbau:
War die Verpaarung erfolgreich und sagen die Haltungsparameter dem Weibchen zu, beginnt das Tier mit der Vorbereitung des Kokonbaus. Dazu zieht sich das Weibchen im Normalfall in seinen Unterschlupf zurück und verschliesst diesen mit Erde und/oder dichtem Gespinst. Für den eigentlichen Kokon wird eine glockenähnliche Gespinstwanne gewebt. In diese werden die Eier, die in einer Flüssigkeit schwimmen,
gelegt und dabei erst mit dem Sperma, das in der Spermathek gespeichert war, vermischt. Die eigentliche Befruchtung erfolgt erst drei bis vier Stunden später. Sind nun die Eier gelegt und damit der Hinterleib des Weibchens bis zu zwei Drittel geschrumpft, werden die Eier mit einer Schicht Spinnseide überzogen. Woraufhin die gesamte Gespinnstglocke vom Weibchen zusammengefaltet und nochmals umsponnen wird. Bei den meisten Afrikanischen Vogelspinnenarten wird ein stationärer Kokon gefertigt. Das bedeutet, der Kokon ist entweder direkt im Wohngespinst des Weibchens integriert oder im Unterschlupf aufgehangen.


Weben der Gespinstwanne


 Ablage der Eier


Überspinnen der Eier mit geschrumpftem Abdomen        


Kurz vor dem Zusammenfalten



 Lasiodora parahybana mit fertigem Kokon

Die Zeitigung:
Nach etwa sechs bis acht Wochen haben sich bei optimalen Bedingungen in dem Kokon, der, insofern es kein stationärer Kokon ist, vom Weibchen umhergetragen und mehrmals täglich gewendet worden ist, aus den Eiern Prälarven oder Larven entwickelt. Nach dieser Zeit muss man sich entscheiden, ob man den Kokon beim Muttertier belässt oder diesen selbst zeitigt und dafür der Mutter wegnimmt. Entscheidet man sich für eine natürliche Zeitigung im Terrarium muss dieses so abgedichtet werden, dass die Spiderlinge dieses nicht verlassen können. Die Spiderlinge schlüpfen im Larvenstadium oder der ersten Fresshaut, nachdem die Mutter den Kokon mit den Chelizeren aufgelockert hat, um dem Nachwuchs mehr Platz für die Häutungen zu bieten.  Nach dem Larvenstadium häutet sich der Nachwuchs in die erste Fresshaut. In diesem Stadium wird von den Spiderlingen zum ersten Mal eigenständig gejagt und Nahrung aufgenommen. Nun sollten bei den meisten Arten die Tiere getrennt (vereinzelt) werden, da ein Großteil der Vogelspinnen kannibalistisch veranlagt sind. Bei einigen Arten jedoch, inbesondere Monocentropus balfouri, wirkt sich eine gemeinsame Haltung der Spiderlinge durchaus positiv auf die Entwicklung aus und hier ist die Gefahr Tiere durch Kannibalismus zu verlieren sehr gering.


Kokon von Pt. chordatus mit Prälarven                                        


Kokon von Lasiodora parahybana mit Prälarven


 Eier aus einem zu früh gezeitigtem Kokon

Anmerkungen:
- Allgemein ist zu beobachten, dass bei sogenannten friedlichen Arten die
  Verpaarung eher
stürmisch und für das Männchen gefährlich abläuft,
  wobei defensivere Arten bei der Paarung
eher unkompliziert sind.
- Nach erfolgter Verpaarung sollte das Männchen nach Möglichkeit
  weiteren Weibchen zugeführt
werden. Dafür kann man das Männchen
  weiterverkaufen oder gegen Kokonbeteiligung, wobei
man einen Teil der
  Nachzucht als Entlohnung bekommt, verleihen.

- Ein besonderes Paarungsverhalten legt die Art Sickius longibulbi an den
  Tag. Informationen
dazu findet man HIER.
- Einige Arten sind einfacher nachzuziehen als andere, bei einigen Arten
  sind keine bis sehr
wenige erfolgreiche Terrariennachzuchten bekannt
  (z.B.
Pelinobius muticus).
- Häutet sich ein Weibchen nach einer Verpaarung ist das Sperma durch
  das Mithäuten der
Spermathek verloren und eine Befruchtung der Eier
  beim Kokonbau somit nicht möglich.
Ausnahmen hierbei bilden die zwei
  Arten
Encyocratella olivacea und Sickius longibulbi, als die einzigen
  beiden bekannten Vogelspinnenarten, die keine Spermathek besitzen.
  Bei diesen ist
eine Befruchtung auch nach einer Häutung noch möglich.
- Die Anzahl der Eier in einem Kokon schwankt je nach Art zwischen
  ca. 20 bis hin zu über
2000. Ebenso steigt die Anzahl der Eier mit der
  Größe des Muttertieres und deren Anzahl der
gebauten Kokons.
- Bei wenigen Arten, wie z.B. Psalmopoeus cambridgei, Holothele incei         oder Avicularia versicolor, können nach einer Verpaarung auch mehrere     Kokons gebaut werden.
- Manchmal kommt es vor, dass das Muttertier den Kokon auffrisst. Gründe
  hierfür können
sein: übermässige Störung während der Kokonpflege,
  unbefruchtete oder vergammelnde
Kokons, nicht ideale
  Haltungsbedingungen usw.
- Bei sehr alten Weibchen sollte man von einer Verpaarung absehen, da
  diese oft zu schwach für einen Kokonbau sind und dies den Tot des
  Tieres bedeuten kann.